Reflexe: Warum der Schmerz nicht am Ort der Empfindung entstehen muss

Reflexe sind ein wichtiger Punkt der ganzheitlichen Behandlung, denn sie erklären wieso die Ursache zum Beispiel eines Rückenschmerzes nicht im Rücken liegen muss. Man spricht auch vom übertragenen Schmerz oder von segmentalen Phänomenen.

Ich möchte im nachfolgenden Blog-Artikel die Hintergründe dieses Phänomens näher erläutern.

Übersicht

Quelle: http://www.nature.com/nrrheum/journal/v10/n6/images/nrrheum.2014.47-f2.jpg
Quelle: http://www.nature.com/nrrheum/journal/v10/n6/images/nrrheum.2014.47-f2.jpg

Das Thema Reflexe bzw. segmentale Phänomene ist sehr umfangreich und komplex.

Ich versuche hier die wichtigsten Punkte aufzuführen und zu erklären. Wer tiefer in die Thematik einsteigen möchte, dem empfehle ich das Buch "Segmentale Phänomene" von Ben van Cranenburgh.

 

Wie viele wissen, kann ein Herzinfarkt schmerzen in der linken Schulter oder im Arm verursachen. Ein Problem des Herzens drückt sich also beispielsweise im Muskel oder auf der Haut aus.

Dies ist ein Beispiel für ein segmentales Phänomen.

Segmentale Phänomene wurden im 20. Jahrhundert das erste mal beschrieben, finden heutzutage jedoch kaum Beachtung. In der täglichen Praxis können Sie von großem Nutzen sein, denn sie können helfen, die Ursache für Schmerzen oder Symptome zu finden.

 

Für diese Wechselwirkung zwischen Struktur und Organ ist der Prozess der Segmentierung in der embryonalen Entwicklung verantwortlich. Alle Strukturen in einem Segment teilen sich die selbe Innervation.

Das ist der Grund weshalb weit voneinander entfernte Organe miteinander in Wechselwirkung treten können.

Embryologie: Entstehung der Segmente

Man sieht das die Somiten (später das Rückenmark) ihre Lage nicht verändern, die anderen Organe wie Haut, Knochen, Muskeln, Organe etc. jedoch schon.
Man sieht das die Somiten (später das Rückenmark) ihre Lage nicht verändern, die anderen Organe wie Haut, Knochen, Muskeln, Organe etc. jedoch schon.

In der embryonalen Entwicklung bilden ein Teil des Entoderms (Organe), des Mesoderms (Skelett und Muskeln) sowie des Ektoderms (Haut) zusammen ein Metamer (Segment).

In einem frühen Stadium der embryonalen Entwicklung entstehen daraus die Somiten, man spricht auch von primärer Segmentierung. Es betrifft nur das Mesoderm.

Die Somiten entsprechen den 31 Rückenmarkswurzeln und verändern ihre anatomische Lage nicht mehr. Im Gegensatz dazu verändern die Organe ihre Lage durchaus - was die teils komplizierte und unlogisch erscheinende Innervation vieler Organe erklärt.

 

Die sekundäre Segmentierung bezieht sich auf das Entoderm und das Ektoderm. Hier werden die Organe von in der nähe liegenden Nervenwurzeln innerviert.

 

Um das ganze noch ein wenig komplizierter zu machen, kommt hinzu, dass die inneren Organe meist doppelt efferent (absteigend) innerviert sind, nämlich parasympathisch und sympathisch.

Die Haut hingegen ist nur sympathisch innerviert. Hier geht es unter anderem um die Kontrolle von Blutgefäßen, Schweißdrüsen und den Haaren.

Erstere sind in der osteopathischen Praxis von wichtiger Bedeutung, und die Theorie der segmentalen Phänomene sollte daher verstanden werden.

 

Kernpunkt: Aufgrund der Segmentierung in der Entwicklung des Embryos, können Reize an einer bestimmten Stelle Symptome an verschiedenen Segmenten verursachen.

Reflexbeziehungen

Viele kennen die Head'schen Zonen und die dazugehörigen Dermatomkarten (Haut).

Es gibt jedoch noch Myotome (Muskeln) und Sklerotome (Knochen), die sich ebenfalls am gesamten Körper finden lassen und nicht übersehen werden sollten.

Wie man am Bild links erkennen kann, innerviert das selbe Segment Muskeln, Haut und Knochen an unterschiedlichen Stellen, mal in der Nähe, mal weiter voneinander entfernt.

 

Der selbe Spinalnerv, in diesem Falle C6, innerviert also sowohl die Haut (Dermatom), Muskeln (Myotom) als auch Knochen (Sklerotom).

Außerdem werden innere Organe durch afferente (aufsteigende) Nervenfasern innerviert, die meistens verschiedene afferente Wege gleichzeitig aktivieren. Das erhöht die Quantität an nervalen Signalen noch einmal zusätzlich.

Hinzu kommt, dass jedes Segment sowohl sensorisch (also somatisch) als auch sympathisch (sozusagen physiologisch) innerviert wird.

Die Ursprungssegmente können aber weit voneinander weg liegen, z.B. somatisch C3 und sympathisch TH3!

 

Aus diesem Grund kann es in allen Bereichen zu Schmerzen oder Symptomen kommen und alle Strukturen können sich gegenseitig beeinflussen.

 

Fazit

Zusammenfassend kann man sagen, es gibt:

  1. Viszero-Somatische & Viszero-Sympathische Reflexe: Probleme der inneren Organe äußern sich an der Körperoberfläche
  2. Somato-Viszerale Reflexe: Die Manipulation der Körperoberfläche beeinflusst die inneren Organe
  3. Viszero-Viszerale Reflexe: Die Reizung eines Organs beeinflusst ein anderes Organ

Zu 1: Vor allem wichtig in der Diagnose und Anamnese

Zu 2: Vor allem wichtig in der Behandlung, denn es erklärt die Wirkungsweise vieler Therapien

Zu 3: Erklärt Funktionsstörungen und kann für die Diagnostik hilfreich sein - Reflexketten können weitere Organe in die Dysfunktion einbeziehen

 

Im großen und ganzen ist das Thema gar nicht so kompliziert, wie es auf den ersten Blick erscheint.

Natürlich leiten sich aus der Theorie Folgen für die Diagnostik und die Therapie ab, die aber den Rahmen sprengen würden.

Vielleicht greife ich dieses Thema in einem späteren Blog-Artikel auf. Wer mehr über dieses Thema wissen will, dem kann ich nur das zu anfangs erwähnte Buch von van Cranenburgh empfehlen.

 

Zum Abschluss noch ein Video, welches beim lernen der Dermatome helfen soll ;-).

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